LEADER startet 2017 mit sieben Projekten – Neue Projekte in Ense, Fröndenberg und Wickede beschlossen


Für insgesamt sieben Projektvorschläge, die in Ense, Fröndenberg/Ruhr und Wickede (Ruhr) mit einer Gesamthöhe von bis zu 350.000 Euro – davon rund 220.000 Euro Förderung – bewegen können, gab jetzt der Entscheidungskreis für die LEADER-Region „Börde trifft Ruhr“, die Lokale Aktionsgruppe (LAG), grünes Licht. Die 23 Frauen und Männer, die Wirtschaft, Vereinsleben, Sport, Kultur und Verwaltung aus den fünf Gemeinden vertreten, ließen sich dazu mehr als zwei Stunden in der Sparkasse Werl die unterschiedlichen Vorhaben erläutern. Zuvor hatten die „Förderlotsen“ Sven Hedicke und Christine Theiler-Hemmer aus dem Regionalmanagement mit der Bezirksregierung in Arnsberg die grundsätzliche Förderfähigkeit nach NRW- und EU-Vorgaben abgeklärt.

Die größte Einzelförderung wurde in dieser Sitzung für ein Projekt aus Fröndenberg/Ruhr bewilligt. Mit dem Geld wird ein Projekt der als MINT-Schule zertifizierten Gesamtschule Fröndenberg (GSF) unterstützt. (Anmerkung: Die Abkürzung „MINT“ steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Auf einem Areal am Schulgelände kann ein Forscherpark mit mehreren unterschiedlichen Biotopen, einem Naturerlebnispfad sowie einem Forscherhaus entstehen, das die Schülerinnen und Schüler als „grünes Klassenzimmer“ erleben können. „Der Forscherpark steht dann auch anderen Interessierten offen“, führte Schulleiter de Vries aus; das seien die Schülern der Sekundarschule Wickede, die mit Fröndenberg zusammenarbeitet, so de Vries weiter. Umgesetzt wird das Projekt vom Förderverein der Gesamtschule und der Lehrerschaft unter aktiver Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler.

Die Gesamtkosten für dieses Leuchtturmprojekt der Region belaufen sich auf rd. € 210.000, zwei Drittel davon kommen aus dem LEADER-Topf. Der Forscherpark soll in mehreren Schritten aufgebaut werden.

Zwei LEADER-Projekte können in Ense beginnen. Der „Offene Treff Lindenhof“ in Niederense kann das Freizeitangebot für die Menschen vor Ort verbessern, waren Bernhard Schulte und Kristina Jost überzeugt, die für die Gemeindeverwaltung das Projekt vorstellten. Im ehemaligen Gasthaus Lindenhof wird dabei ein vielseitiger Treffpunkt entstehen: Als Ort der Begegnung beispielsweise für die lokale Integration der Flüchtlinge, als Jugendtreff und für andere Zwecke, die zur Stärkung des Miteinanders und des generationenübergreifenden Austausches beitragen. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rd. € 70.000, die mit 65 % durch LEADER-Mittel gefördert werden.

Ebenfalls als „innovativ und spannend auch für andere Orte“ schätzte der Entscheidungskreis die Projektidee für einen „Bewegungspark Ense“ ein, dessen Gesamtkosten sich auf rd. € 28.000 belaufen. Hierzu stellte Frau Dr. Neumann-Aukthun das Konzept vor, nach dem im Gemeindeteil Bremen auf dem Gelände der Wohnanlage Pro Vita 14 Bewegungsstationen entstehen, an denen die Nutzer Übungen ausführen, die dem Training des Bewegungsapparates dienen. Ähnliche Geräte gibt es z.B. am Möhneseeufer in Körbecke. In Ense handelt es sich jedoch um spezielle Weiter- und Neuentwicklungen, um die Beweglichkeit sowie motorische Fähigkeiten zu stärken, für die Frau Dr. NeumannAukthun und ein heimischer Gerätehersteller eng zusammen arbeiten. Der innovative Ansatz besteht zusätzlich darin, dass die Geräte von Menschen jeden Alters sowie von Demenzerkrankten und Personen mit Bewegungseinschränkungen (z.B. Rollstuhlfahrer) genutzt werden können. Auch diese Anlage wird öffentlich zugänglich sein.

Gleich vier Projektideen mit Gesamtkosten von bis zu € 40.000 wurden aus Wickede (Ruhr) vorgestellt: Ein Meditationsrundweg, den die katholische und evangelische Kirchengemeinde intensiv erarbeitet haben, lädt zum Neuentdecken schöner Orte und Strecken sowie zum Nachdenken ein. Die Stationenfolge, Hinweistafeln und begleitende online-Informationen sowie eine kleine Broschüre geben Denkanstöße und Anregungen zum Reflektieren des eigenen Lebensweges. Insgesamt werden Stationen auf einer Länge von gut acht Kilometern rund um Wickede (Ruhr) verbunden. Die Projektidee ist ökumenisch entwickelt, aber ein offenes Angebot für Menschen, unabhängig von Konfessionen. Insgesamt fallen dafür rund € 7000 an. Ähnliche Projekte an anderen Stellen in Südwestfalen finden bereits guten Anklang, so dass auch eine Vernetzung über Wickede (Ruhr) hinaus möglich erscheint.

Das Projekt „Ruhrleuchten“ soll ermitteln, ob und mit welchem Aufwand es möglich wäre, das Trommelwehr an der Ruhr sowie zwei weitere Wasserbauwerke am Fluss „ansprechend ins Licht“ zu setzen und damit eine weitere Aufwertung der Uferbereich zu erreichen. Antragsteller sind hier der Verein für Gesundheit, Notfallvorsorge und Lebensqualität Wickede (Ruhr) e.V. in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein.

Wickedes Sommerattraktion, das Freibad, soll mit einem Jugendprojekt „aufgepeppt“ werden. Unter dem Titel „Splash: FarbBad im Freibad“ ist der Förderverein für das Freibad bereit, ein Jugendprojekt mit Jugendlichen, Jugendarbeiter Frank Hake und einem Grafittikünstler zu gestalten. Dazu sollen Grafittis mit Sommer- und Freibadmotiven von Jugendlichen aus Wickede (Ruhr) unter fachlicher Unterstützung geplant und auf vier Rückwände der Umkleidekabinen gesprayt werden, die der Parkplatzreihe am Tennisplatz zugewandt sind.

Schließlich billigte die LAG ebenfalls ein Vorhaben, mit dem am Trommelwehr an der Ruhr eine Schutzhütte entstehen könnte, die der Naturbeobachtung dienen soll. Der Standort bietet eine gute Aussicht auf die Ruhraue sowie die in den letzten Jahren renaturierte Ruhr und soll Informationen über die durchgeführten Maßnahmen sowie Flora und Fauna vermitteln. Angedacht ist bei der Errichtung der Schutzhütte, die Jugendlichen aus Wickede mit einzubinden. Vor einer Umsetzung steht allerdings noch Klärung einiger Fragen an, z.B., ob die Gemeinde derzeit als Trägerin in Betracht kommt aufgrund der Haushaltslage oder ob es nötig ist, nähere Details zur geplanten Fortsetzung der Ruhr-Renaturierung zu kennen, ehe ein Standort bestimmt wird.

Stellvertretend für alle LAG-Mitglieder lobte der Vorsitzende, Bürgermeister Martin Michalzik (Wickede), das große Engagement aller Projektträger. „Die Menschen stecken viel Herzblut in ihre Projektidee und sehen, dass LEADER sie bei der Umsetzung unterstützt. Mit den Fördergeldern wird ein großer Teil der Projektkosten abgedeckt, gleichwohl bleibt zum einen ein beachtlicher Eigenanteil zu stemmen und ist schließlich der gedankliche und zeitliche Einsatz gar nicht in Geld aufzuwiegen.“ Regionalmanager Sven Hedicke ergänzt: „Ein Eigenanteil-Beitrag kann unter bestimmten Voraussetzungen auch in Form von Eigenleistungen wie unentgeltlichen Arbeitsstunden erfolgen“.

Christine Theiler-Hemmer, ebenfalls Regionalmanagerin, freut sich über die zahlreichen Projektvorschläge und das zunehmende Interesse an LEADER. „Manche Projektträger haben schon sehr konkrete Vorstellungen von ihrem Projekt, andere unterstützen und begleiten wir gerne bei der Projektentwicklung und Antragstellung“.Die beiden Regionalmanager ordnen alle Projekte in die Regionale Entwicklungsstrategie sowie die Förderrichtlinie ein. Sollte für eine Projektidee keine LEADER-Förderung möglich sein, so versuchen sie, alternative Förderquellen aufzuzeigen.